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Nacktwandern - heimlicher Trend oder unheimliches Ärgernis?

Nackte Frau sitzt in einem Gebirgsbach

Nacktwandern ist seit Anfang der 2000er Jahre ein stiller Trend in der Schweiz. Weit weniger populär als Singlewandern blieb es den meisten Eidgenossen verborgen, bis im April 2009 nahezu alle Medien vom behördlichen Nacktwanderverbot im Kanton Appenzell-Innerrhoden berichteten. Plötzlich fragten sich viele Schweizerinnen und Schweizer:

Nacktwandern - warum?

Die Idee für diese besondere Form des Wanderns entstand unter den Anhängern der Freikörperkultur - kurz FKK genannt. Schweizer FKK-Freunde treffen sich seit Jahren an den Ufern von Seen oder Flüssen, um füdliblutt zu entspannen. Im Internet gibt es sogar Listen mit Schweizer Freibädern, FKK-Hotels und Naturistenvereinen. Klingt es da nicht logisch, dass die Nacktbader nicht nur faul in der Sonne liegen, sondern sich auch in der schönen Schweizer Landschaft bewegen wollten? Aus Sicht der FKK-Fans bietet das Nacktwandern viele Vorteile. Zwar dient Kleidung dazu, unsere Körper vor Regen, Wind, Kälte oder zu starker Hitze zu schützen. Aber unter optimalen Bedingungen, zum Beispiel an einen warmen Sommertag, ist dieser Schutz nicht notwendig. Beim Nacktwandern streichelt der Wind sanft die Haut, die Sonne wärmt - auch an Körperstellen, die im normalen Alltag bedeckt bleiben. Brüste, Schamdreieck und Penis müssen nicht versteckt werden, sondern dürfen ebenfalls Sonne und Wind geniessen. Das ist für jeden, der das Nacktwandern erstmals probiert, eine völlig neue, befreiende Erfahrung. Denken Sie an die Blumenkinder der 60er Jahre, die völlig unbeschwert die Freikörperkultur auslebten. Nackte Frauen und Männer tanzten damals beim Woodstock Festival ohne jede Scham in der Sonne und genossen ihr Menschsein. Träumen wir davon nicht alle? Frei zu sein, alles Belastende, Einengende loszulassen, Mensch zu sein! Adam und Eva wandelten nackt durch den Garten Eden, bis die Schlange ihnen das Nacktwandern verbot. Einen der unzähligen Schweizer Gipfel zu erklimmen, zu versteckten Bergseen zu wandern oder über Blumenwiesen zu streifen, lässt uns erahnen, dass Adams Paradies in der Schweiz gelegen haben muss. Doch auch die Feigenbäume, mit deren Blättern die ersten Menschen schamhaft ihre Blösse bedeckten, gedeihen in vielen Schweizer Gärten. Ein Zeichen der Natur?

Das sagen die Gegner

Nackte Füsse auf Steinen

Warum fällt es vielen Erwachsenen so schwer, die Freiheit des nackten Körpers für sich selbst in Anspruch zu nehmen? Oder wenigstens bei Anderen zu akzeptieren? Im Kanton Appenzeller Ausserrhoden wurde im November 2011 ebenfalls ein Grundsatzurteil gefällt, das einem Verbot des Nacktwanders gleichkommt. Ein Mann hatte dagegen geklagt, fürs Nacktwandern mit 100 Franken gebüsst worden zu sein. Er verlor in der letzten Instanz. Begründung des Gerichts war der Artikel 19 des Gesetzes über das kantonale Strafrecht, der den Titel "Unanständiges Benehmen" trägt und lautet: "Wer sich in angetrunkenem oder berauschtem Zustand öffentlich ungebührlich aufführt, wer in anderer Weise öffentlich Sitte und Anstand grob verletzt, wird mit Busse bestraft."(Quelle: Gesetz über das kantonale Strafrecht des Kantons Appenzeller Ausserrhoden vom 25. April 1982 (Stand 1. Januar 2011). Natürlich war der betreffende Nacktwanderer weder angetrunken noch berauscht. Er wurde, ob seiner Nacktheit, als öffentliches Ärgernis gesehen. Sitte und Anstand habe er grob verletzt. Durch Nacktwandern? Was ist natürlicher und somit anständiger, als wie von Gott geschaffen durch die Welt zu gehen? Keinen Dolch im Gewande verborgen, keine bösen Absichten hinter falscher Fassade. Wer nackt ist, zeigt sich selbst in seiner ganzen Unschuld. Nackt kamen wir auf die Welt. Es hat historische Gründe, dass viele Menschen heute noch Nacktsein als unanständig empfinden. Falsche Scham, falsche Erziehung. Auf der anderen Seite liefern Fernsehen und Internet rund um die Uhr härtesten Porno, ohne dass dafür Busse zu zahlen wäre. Der beim Nacktwandern verträumt über weiche Wiesen schreitende Mann, dem s'Gschlächt lustig im Winde baumelt, tut also Verbotenes und Büssenswertes?

Pia und Roland auf Tour

Blonde, nackte Frau läuft über einen Steg

Roland S. (54) ist seit Jahren ein begeisterter FKK Anhänger und hat nun auch das Nacktwandern für sich entdeckt. Er erzählt, dass er früher mit Frau und Kindern oft zum Wandern am Alpstein unterwegs war. Und natürlich seien sie alle vier im Sommer gern nackt in einen der kleinen Bergseen gestiegen, um sich abzukühlen. Danach blieben sie im Gras liegen und liessen sich von der Sonne trocknen. Andere Wanderer hätten es genauso gemacht und niemand Anstoss daran genommen. Zum Nacktwandern kamen Roland und seine Frau Pia, als die Kinder aus dem Haus waren. "Wir haben uns am Abend eines heissen Sommertages einfach nackt vom Fälensee aus auf den Rückweg begeben. Die drei Wanderer, denen wir unterwegs begegneten, fanden prima, dass wir so selbstbewusst und frei waren. Dadurch ermutigt, starteten wir unsere nächste Wanderung bereits füdliblutt." Von Vorteil sei, so betont Roland, eher kleine, weniger begangene Wanderwege zu wählen. Also nicht gerade vom Seealpsee hinauf zur Ebenalp, dem stetigen Strom der Seilbahnfahrer entgegen. Roland und Pia haben die Erfahrung gemacht, dass eine Begegnung mit einzelnen Wanderern oder Pärchen meist ganz entspannt und unproblematisch abläuft. Aus anfänglicher Verwunderung würde oft sogar Bewunderung für die mutigen Trendsportler. Selbst eine Alpkäserei haben sie schon nackt besucht und seien mit dem Senner nett ins Gespräch gekommen. Grossen Gruppen gehen die beiden beim Nacktwandern lieber aus dem Weg. Einmal allerdings kam ihnen hinter einer scharfen Kehre eine ganze ehemalige Schulklasse entgegen. Es waren 1967er auf Jahrgängertreffen. Mit grossem Hallo wurden Roland und Pia begrüsst, die Jahrgänger waren begeistert vom Nacktwandern und wollten wissen, ob die beiden Mitglieder in einem Verein seien. Roland lacht, als er fortfährt, dass er und seine Frau bis heute keinem Verein angehören, aber vier der zufällig getroffenen Jahrgänger sie regelmässig beim Nacktwandern begleiten.Einer von ihnen, Mathias, ist sogar barfuss unterwegs, nur mit Sonnenhut und Rucksack. Darin trägt er, wie alle anderen Nacktwanderer übrigens auch, immer ein komplettes Wanderoutfit. Für die Einkehr in der nächsten Beiz, die Fahrt mit dem Postbus oder der Seilbahn. Bei plötzlich einsetzendem Regen schlüpfen auch Roland und seine Frau in ihre Regenjacken. Vor der Sonne schützen sie mit Sonnencreme. Die Stellen, die sonst nie das Tageslicht zu sehen bekommen, sollten mit einem hohen Lichtschutzfaktor eingecremt werden, mahnt Roland. Nichts sei unangenehmer beim Nacktwandern, als ein Sonnenbrand am Fudi. Junger Mann mit freiem OberkörperFazit: Nacktwandern ist keinesfalls schamlos oder gar sexistisch. Ganz im Gegenteil. Hier dürfen Sie sein, wie Sie sind. Niemand wird auf grosse Brüste oder kleine Penisse starren und abwertende Bemerkungen machen. Beim Nacktwandern zählen tatsächlich die inneren Werte - das gemeinsame Interesse, sich nackt in der Natur zu bewegen. Sollte dabei ein gewisses Prickeln aufkommen oder ein geistiger Funke überspringen, um so besser. Niemand kauft hier die Katze im Sack. Wer Sie beim Nacktwandern hüllenlos begleitet und Lust auf Zweisamkeit bekommt, hat bereits alles gesehen, was an Ihnen im Winde schwingt oder wogt. Sie müssen sich ja nicht auf verbotenen Pfaden am Nacktwandern erfreuen. Dass Nacktwandern ausgerechnet in dem Kanton verboten ist, der als letzter das Frauenstimmrecht einführte, ist nur ein Detail am Rande. So bleibt die Hoffnung, dass auch am Alpstein Nacktwandern bald offizieller Trendsport sein wird.

Nacktwandern mit Gleichgesinnten

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