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Erotische Literatur – Die Lust beim Lesen

Frau entblösst sich beim Lesen

Wenn zwischen Buchdeckeln mehr knistert als das darin gebundene Papier, werden die entsprechenden Werke gern als "erotische Literatur" bezeichnet. Doch wann gelten Texte als erotische Literatur und welche sind als herausragende Beispiele zu nennen? Wir stellen Ihnen einige der bedeutendsten Romane aus dem Genre der erotischen Literatur vor.

Qua Definitionem ist es nur dann erotische Literatur, wenn die detaillierte Beschreibung des Geschlechtsaktes aussen vor bleibt - also lediglich eine starke Anziehungskraft wirkt und ein Reiz ausgeübt wird zwischen den Romanfiguren. Konkrete Schilderungen von Sexszenen und Geschlechtsteilen gehören dagegen in den Bereich der Pornografie. Ebenso wenig sind Liebesgefühle Thema erotischer Literatur. Damit grenzen sich als "erotisch" bezeichnete Texte automatisch von pornografischen Werken oder Liebesgedichten, -geschichten und -romanen ab.

Doch warum so kompliziert? Haben gegenseitige Anziehung und körperliche Reize nicht ohnehin Sex zur Folge - aus dem sich in manchen Fällen sogar eine Liebesbeziehung ergibt? In heutigen Zeiten und unserem Kulturkreis ist das durchaus möglich, denn wir gehen spätestens seit der so genannten sexuellen Revolution wesentlich offener mit Phantasien und daraus erwachsendem Verlangen um.


Die Ursprünge der erotischen Literatur

Als die erotische Literatur aufkam, war das jedoch noch ganz anders. In moralischer Hinsicht herrschte zu Zeiten, als die ersten nennenswerten erotischen Texte verfasst wurden, eine grosse Bigotterie vor. So waren in antiken Grossreichen der Besuch von Freudenhäusern oder Lustknaben und die Inanspruchnahme von Hetären-Diensten längst nicht jedem Bürger gestattet. Auch in nachfolgenden Epochen blieb erotische Literatur für viele das einzige Ventil, sich ihren heimlichen Gelüsten hinzugeben. Die Autoren mussten in Andeutungen verbleiben, was Sexualität betrifft, um nicht der Zensur zum Opfer zu fallen.

Im 19. Jahrhundert war es geradezu eine hohe Kunst, Erotik literarisch darzustellen, ohne sie konkret anzusprechen. Was sich zwischen den Protagonisten abspielte, war vielmehr durch gut chiffrierte Hinweise zu vermuten. Insbesondere, wenn ein Autor auf den Erlös aus seinen Textveröffentlichungen angewiesen war, musste er strickt die Darstellung von nackter Haut und erotischer Annäherungen zwischen Mann und Frau vermeiden. Sonst wurde sein Werk durch die Zensur abgelehnt. Dies hielt man damals für notwendig, um das zarte Gemüt und die Moral junger, unverheirateter Damen zu schonen. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert ging es dann wieder deftiger und expliziter zur Sache in den zeitgenössischen Texten.


Paar auf Sofa, Mann liest Buch, Frau in Reizwäsche

Bedeutende Beispiele erotische Literatur

Aus dem 14. Jahrhundert stammt die Novellen-Sammlung "Das Dekameron" des Italieners Giovanni Boccaccio. In ihr offenbart sich eine lebensbejahende und anti-klerikale Stimmung, die wie selbstverständlich auch Körperlichkeit einbezieht. Doch trotz Boccaccios überaus realistischem Erzählstil bleiben die Folgen zwischenmenschlicher Begegnungen weitestgehend der Phantasie des Lesers überlassen - womit "Das Dekameron" ein wahres Paradebeispiel für erotische Literatur ist.Frau entblösst sich beim Lesen

Auch aus den Memoiren des Giacomo Casanova wird ersichtlich, dass Erotik und Verführungskunst nicht zwingend mit Sex oder Liebe einhergehen. In der rückblickenden "Geschichte meines Lebens" schildert der später redensartlich gewordene Womanizer nämlich nicht nur das Aufeinandertreffen mit zahlreichen Frauen, sondern auch die Bekanntschaften mit einflussreichen Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine Erzählung ist daher sowohl erotische Literatur als auch ein vielschichtiges Sozial- und Sittengemälde.

Noch einen Schritt weiter bzw. zurück geht D.H. Lawrence: In seinem Roman "Der Regenbogen" kommen sich die Protagonisten zwar körperlich nahe, bleiben aber seelisch auf Distanz - und verletzen sich dadurch gegenseitig. Mit diesem Thema griff der britische Schriftsteller das zwiespältige Wesen jener mythologischen Figur auf, nach welcher die erotische Literatur benannt ist: Eros. Dem geflügelten Liebesstifter - von den Römern auch Amor oder Cupido genannt - wird nachgesagt, sowohl das sinnliche Begehren zu fördern als auch die Beherrschung herabzusetzen.

Ein Umstand, der sich im Skandal-Roman "Lolita" widerspiegelt. Mit der Geschichte um die pädophile Beziehung eines gebildeten Mannes zu einer Minderjährigen überschritt der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov gleich zwei Grenzen: die moralische und die erotische. Literatur-Kritiker liessen kein gutes Haar an dem Werk; konnten das geforderte Verkaufs-Verbot jedoch nicht durchsetzen.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem 1988 veröffentlichten Roman "Salz auf unserer Haut" der Französin Benoîte Groult. Die autobiografisch gefärbte Erzählung um eine aus Paris stammende Intellektuelle und einen bretonischen Fischer wurde in ihrem Heimatland als pornografisch eingestuft; gilt im übrigen Europa aber als die erotische Literatur schlechthin. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war die bis dato ungewöhnliche Art, in welcher Groult die Sexualität und einzelne Körperteile beschrieb: mit einer gewissen Respektlosigkeit und Ironie.Frau in sexy Dessous beim Lesen

Gerade diese unverblümte Haltung zum Thema Körperteile und Erotik sind es, die jüngere Werke wie selbstverständlich aufgreifen und teilweise überreizen. So bekam Charlotte Roche für ihren Debüt-Roman Lob und Tadel zu gleichen Teilen, denn die darin agierende Heldin kennt weder Scham- noch Ekel-Grenzen und lotet die "Feuchtgebiete" ihres Körpers ebenso selbstbewusst wie selbstbestimmt aus. Mit dieser etwas schlüpfrig anmutenden Herangehensweise bewies Roche, dass erotische Literatur immer auch ein Spiegel der jeweils vorherrschenden Rollenbilder ist.

Welche Sehnsucht daraus erwachsen kann, zeigte E.L. James' online veröffentlichte Fortsetzungsgeschichte "The Master of the Universe". In ihr thematisierte die Autorin BDSM-Praktiken, die spielerischer Unterwerfung dienen - und damit den heimlichen Wunsch vieler emanzipierter Frauen ansprachen. Obwohl zahlreiche Kritiker von der kurz darauf erscheinenden Taschenbuch-Ausgabe behaupteten, erotische Literatur habe einen neuen Tiefpunkt erreicht, brach diese unter dem Titel "50 Shades of Grey" alle bisherigen Verkaufs-Rekorde.

Dem von Mallanaga Vatsyayana zusammengetragenen und überarbeiteten "Kamasutra" aber konnte es seinen unangefochtenen Spitzenplatz nicht ablaufen. Trotzdem die rund 1.700 Jahre alte Vers-Sammlung der strengen Definition für erotische Literatur in einigen Punkten entgegensteht, gilt sie bis heute als das, was ihr deutscher Untertitel suggeriert: als "Das indische Lehrbuch der Liebe".


Neues aus der Welt der erotischen Literatur

Frau lockt verführerisch mit ZeigefingerDie Autorin Henriette Hell kommt aus Hamburg und arbeitet dort als Journalistin. Gelegentlich packt sie das Reisefieber und sie zieht los in die weite Welt. Allerdings hat sie dabei meist auch einen ganz persönlichen Forschungsauftrag: herausfinden, wie Männer fremder Kulturen so ticken im Bett. Über ihre Erfahrungen hat sie das Buch Achtung, ich komme!: In 80 Orgasmen um die Welt geschrieben.



Frau lockt verführerisch mit ZeigefingerMit ihrem autobiographischen Roman „Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann? – Bekenntnisse einer Nymphomanin“ erzählt die Autorin Kerstin Scholz über ihr Leben, in dem unzählige Sexpartner ein- und ausgehen. Scholz ist sich ihrer Krankheit Nymphomanie bewusst und hat ihren ganz persönlichen Weg gefunden, damit umzugehen. Mal lockt sie den Leser mit Beschreibungen aus ihrem wilden Liebesleben, mal gibt sie tief emotionale Einblicke. Die Autorin zeigt mit ihrem Roman, dass eine Frau, die sich viele Liebhaber gönnt, noch lange kein billiges Flittchen ist. Mit Selbstbestimmtheit meistert sie ihr Leben, jobbt als Model, lässt sich ihr Alter nicht ansehen und macht sich nichts daraus, dem monogamen Gesellschaftskonstrukt den Rücken zu kehren.



Frau sitzt erstaunt vor LaptopIn ihrem Buch „Lust auf Fikken“ erzählt Autorin Amaryllis26 über ihre skurrilen und schwer unterhaltsamen Erlebnisse im Dating Dschungel. Im Selbstversuch hat sie sich mehrere Profile auf Online Dating Plattformen mit verschiedenen Identitäten angelegt, um damit auf die Pirsch zu gehen nach einem potenziellen Sexpartner. Mal mimt sie die abgehobene Eso-Tante, mal das Mauerblümchen oder die selbstbewusste Feministin. Was dabei rauskam, fand sie zum Teil selbst schockierend und auf jeden Fall sehr ernüchternd.



Blonde Frau posiert für KameraSylvia Day schafft mit ihrer Reihe Crossfire ein weiteres Lesevergnügen für Fans von Fity Shades of Grey. Mister Grey ist in diesem Fall der junge, bereits steinreiche Gideon. Seine Geliebte Eva lernt er bei der Arbeit kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine starke erotische Verbindung, die in den Büchern in schonunglosen Schilderungen dargestellt wird. Aber auch für grosse Gefühle ist Platz in dieser erotischen Literatur.



Mann liegt mit drei Frauen im Arm im BettNeben prickelnden Erzählungen möchten wir Ihnen auch einen Klassiker aus dem Bereich Sachliteratur vorstellen, das jeder Pickup-Artist kennen sollte: Lob des Sexismus von Lodovica Satana. Der Autor führt typische Verhaltenweisen von Männern und Frauen auf und erklärt männlichen Verführern, wie sie Verhaltensmuster geschickt nutzen können, um Frauen für sich zu gewinnen.



Wenn Sie jetzt Lust auf erotische Literatur bekommen haben, aber kein passendes Buch zur Hand ist, lesen Sie doch mal die prickelnden erotischen Geschichten unserer Autorin Jana Bella. Die gibt es kostenlos online und sie sind so vielfältig, wie es erotische Phantasien gibt.




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