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Japanische Shunga - kunstvolle Darstellung sexueller Motive

Shunga-KunstOb detailreiche Fresken in den Bordellen Pompejis oder Illustrationen der Sexstellungen in den Ausgaben des indischen Kamasutras, künstlerische Darstellungen explizit erotischer Inhalte sind in nahezu allen Kulturen auf der ganzen Welt fest verankert. Auch Japan blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Tradition pornographischer Abbildungen, der sogenannten Shunga zurück. In Japan war die Nachfrage nach diesen sexuellen Darstellungen so gross, dass sogar die namhaftesten Künstler ihrer Zeit Shunga schufen.

Shunga - Bilder des Frühlings

Der Begriff Shunga wurde in Japan für sämtliche Bilder, Grafiken und Drucke verwendet, die sexuelle Motive und Handlungen auf explizite Weise darstellten. Wenn Sie jetzt an historische Pornographie im Allgemeinen denken, liegen Sie gar nicht so falsch. In der Kunstgeschichte sind in Bezug auf diesen Namen jedoch vor allem die Farbholzschnitte und Buchpublikationen der Edo-und später auch der Meiji-Zeit von Bedeutung, die dem Genre der Ukiyo-e, also den berühmten "Bildern der fliessenden Welt" zugeordnet werden. Die für erotische Darstellungen verwendete Bezeichnung Shunga bedeutet übersetzt "Bilder des Frühlings" und bezieht sich auf diese Jahreszeit als eine in der japanischen Kultur und Religion oft verwendete Metapher für Sexualität.In Japan haben Riten, die mit deutlichen sexuellen Anspielungen verbunden sind, eine jahrhundertelange Tradition.

Insbesondere zu Beginn des Frühlings wurden in der vormodernen Zeit im ganzen Land unmittelbar vor der Aussaat verschiedene Zeremonien und Umzüge mit sexuellen Themen abgehalten. Im Zuge dieser festlichen Veranstaltungen wurden Darstellungen überdimensional grosser Geschlechtsorgane sowie angedeutete sexuelle Handlungen öffentlich gezeigt, um die Götter um eine reiche Ernte zu bitten. Diese explizit sexuellen Inhalte und Phallus-Kulte dienten der Verehrung der Natur, stellten in Japan ein weit verbreitetes Phänomen dar und werden heute vielerorts wiederbelebt. Angesichts der politischen Wirren der ausgehenden Edo-Zeit im frühen 19. Jahrhundert erlebten diese religiösen Riten eine erneute Blüte und inspirierten unzählige Künstler dazu, die sexuellen Inhalte bildnerisch festzuhalten. Aus den im Frühling abgehaltenen Fruchtbarkeitsriten der vormodernen japanischen Zeit leitet sich der Name Shunga oder Frühlingsbilder ab, der in Japan bis heute für kunstvolle pornographische Darstellungen jeder Art gebräuchlich ist.

Shunga

Groteske Darstellung überproportionaler Geschlechtsorgane

Die für die Umzüge, Riten und Kultstätten aus unterschiedlichen Materialien angefertigten Abbilder riesiger weiblicher und männlicher Geschlechtsorgane fanden ihre künstlerische Fortsetzung als beliebte Motive der Shunga-Meister. Durch die enge Verbindung zwischen der japanischen Götterwelt und den sexuell konnotierten Motiven entwickelte sich eine ausgeprägte Toleranz der japanischen Gesellschaft gegenüber expliziten Darstellungen, die den jahrhundertelangen Erfolg und die künstlerische Vielfalt der Shunga erklärt. Weit verbreitet waren zwischen dem 17. und frühen 20. Jahrhundert vor allem bildhafte Darstellungen kopulierender Paare mit überproportionalen Genitalien, die in erster Linie von den vormodernen Phallus-Riten inspiriert waren. Einige namhafte Holzschnittkünstler schufen auch fantasievolle Abbilder japanischer Fruchtbarkeitsgötter und Dämonen, deren Darstellung sie in Form riesiger Geschlechtsorgane anlegten. Fast alle namhaften Ukiyo-e-Meister, die in der Edo-Zeit zu grossem Ruhm gelangten, schufen im Laufe ihrer Karriere auch zahlreiche Shunga-Frühlingsbilder.

Die meisten von ihnen taten dies jedoch nicht unter ihrem tatsächlichen Namen, sondern unter einem Pseudonym. Gemeinsam waren allen Shunga die groteske Vergrösserung der Genitalien, die auf eine bewusste Persiflage der religiösen Bräuche hindeutet. Die erotischen Bilder mit ihren teilweise bizarren Motiven waren dank der hohen Nachfrage für die Künstler ein höchst lukratives Geschäft und wurden für Menschen aller Gesellschaftsschichten angefertigt, wobei das reiche Bürgertum der Städte den wohl grössten und wichtigsten Kundenkreis darstellte. Gegen Ende der Edo-Zeit setzte sich auch der für die Bilder verwendete Begriff Makura-e durch, der übersetzt "Kopfkissenbilder" bedeutet. Auch wenn der Shogun die Frühlings- oder Kopfkissenbilder als Schweinkram bezeichnete und diese im Rahmen der Kyoho-Reformen bereits im Jahr 1722 offiziell verboten wurden, erfreuten sie sich weiterhin grösster Beliebtheit und wurden erfolgreich im Untergrund, sprich unter dem Ladentisch verkauft. Erst im frühen 20. Jahrhundert wurden der Handel mit Shunga unter Strafe gestellt und unzählige Werke vernichtet. Daraufhin war es in die 1990-er Jahre in Japan gesetzeswidrig, Genitalien bildhaft darzustellen.

Verbreitung, Stil und Themen der Shunga

Shunga MalereiTrotz aller Verbote und Zensuren erfreuten sich Shunga bei Männern und Frauen aller Gesellschaftsschichten grösster Beliebtheit und genossen einen ähnlichen Stellenwert wie Glücksbringer. Shunga befanden sich im Besitz von einfachen Hausfrauen und Bauern ebenso wie von Samurais und eleganten Damen der Gesellschaft. Sie dienten nicht nur der Stimulierung sexueller Fantasien, sondern sollten auch das Eigenheim gegen Feuer schützen. Auch als Geschenk an junge Bräute und aufklärerisches Material für sexuell unerfahrene Töchter und Söhne aus gutem Haus wurden Shunga geschätzt. Dementsprechend wurden die Frühlingsbilder in unterschiedlichen Qualitäten angefertigt und waren als billige Massenkopien ebenso erhältlich wie als teure und aufwendige Auftragsarbeiten für wohlhabende Bürger, die aus der Feder berühmter Meister wie Hokusai oder Hiroshige stammten. Die in Edo, dem heutigen Tokio produzierten Shunga zeichneten sich im Vergleich zu Arbeiten aus Kyoto oder Osaka durch eine wesentlich aufwendigere Farbgestaltung und eine fantasievollere Darstellung aus.

Der überwiegende Grossteil der Shunga stellt das Sexual- und Beziehungsleben aller Menschen der japanischen Gesellschaft dar. Neben Bauern, Handwerkern, Handelsleuten, Bürgern und Adeligen waren auch Kurtisanen und deren sexuelle Abenteuer beliebte Motive. Vor allem der Künstler Utamaro schuf unzählige Werke, die sich mit dem Alltag der Kurtisanen auseinandersetzten. Einige Shunga bildeten sogar aus dem Ausland stammende Personen und deren sexuelle Abenteuer ab. Ob Masturbation, sexuelle Traumfantasien mit Tieren, heterosexuelle und homosexuelle Begegnungen abgebildet sind, die Personen sind in der Regel bekleidet, um den Fokus auf ihre explizit dargestellten Genitalien zu legen. Um körperliche Abläufe während des Sexualaktes zu zeigen, bedienten sich die Künstler unterschiedlicher Symbole, die der Natur ebenso entlehnt sein konnten wie dem Alltagsleben. So wurde das Ejakulat beispielsweise in Form von weissen Tüchern, die Jungfräulichkeit durch Pflaumenblüten dargestellt.

Die übergrossen Geschlechtsteile und die komplizierten bis unrealistischen Sexualstellungen sollten nicht nur die Erotik verdeutlichen, sondern auch die zwischenmenschlichen Begegnungen auf psychologische Weise analysieren. Die Genitalien wurden von den Künstlern bewusst überdimensional gross und durch die umständlichen Körperpositionen immer in der Nähe der Köpfe dargestellt, um ihnen die Rolle als zweites Gesicht der Figuren zu übertragen. Dadurch sollte symbolisiert werden, dass die Geschlechtsorgane jene Leidenschaften und Triebe verkörpern, die der Mensch im alltäglichen Leben hinter seiner Fassade versteckt halten muss. Shunga sind daher nicht nur als pornographisches Material im eigentlichen Sinne zu verstehen, sondern dienen auch der zweideutigen Darstellung sozialer und gesellschaftlicher Themen.

Auch wenn es Ihnen wahrscheinlich nicht gelingen wird, die auf den Shunga abgebildeten komplizierten Positionen nachzustellen, können Sie sich von der vielfältigen erotischen Welt dieser kunstvollen Bilder zu überraschenden Sexabenteuern inspirieren lassen. Eher in die Tat umsetzbar wäre die japanische Nuru-Massage, bei der voller Körpereinsatz gefragt ist. Mit Treffpunkt18-Mitgliedern können Sie solche schönen Dinge und noch vieles mehr ausleben. Hier finden Sie unzählige aufgeschlossene Gleichgesinnte, mit denen Sie sich zu aufregenden Sexdates verabreden und eine erotische Reise durch die sexuellen Vorlieben der Japaner unternehmen können. Wer weiss, vielleicht lernen Sie sogar jemanden kennen, der Lust hat, mit Ihnen die erotischen Begegnungen der japanischen Kurtisanen zu studieren und die eine oder andere Szene in aufwendigen Kostümen nachzuempfinden. Wie die Shunga eindrucksvoll beweisen, sind der Inszenierung der Lust mit dem passenden Partner keine Grenzen gesetzt!

BildnachweiseBild 1 Via Flickr | Bruno Cordioli | CC BY 2.0 Bild 2 Via Flickr | Bruno Cordioli | CC BY 2.0 Bild 3 Via Flickr | Bruno Cordioli | CC BY 2.0